- Versagen der Stimulationsbehandlung: Es kommt nicht zu einer Anregung der Eierstocksfunktion durch die Steuerhormone. Selbst die Steigerung der Dosierung hat keine Wirkung. Bei der Punktion werden aus durchschnittlich 80% der zuvor gesehenen sprungreifen Follikel Eizellen gewonnen. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass gar keine Eizelle gewonnen wird. Ursachen können hierbei sein, dass Eibläschen leer sind (Zystenbildung), die Follikel unmittelbar vor der Punktion springen oder dass im Moment der Punktion die Follikelwand einreißt und sich der Inhalt in die Bauchhöhle ergießt.
- Obwohl Sie von uns in der Applikation der meist nötigen Spritzen geschult werden und wir Ihnen JEDERZEIT bei Problemen für Rückfragen zur Verfügung stehen, können wir nicht ausschließen, dass es durch Missverständnisse zu Fehlapplikationen (z.B. falsche Tageszeit, falsche Dosierung, ...) der Ihnen verordneten Medikamente kommt. Wir bitten Sie, jederzeit mit uns Kontakt aufzunehmen, wenn irgendeine Unklarheit besteht ? für Folgen aus Fehlapplikationen können wir leider keinerlei Haftung übernehmen, weil die Applikation nicht in unserem Bereich gelegen ist. Falls die Applikation durch Sie selbst oder ihren Partner aus irgendwelchen Gründen zu problematisch sein sollte, steht Ihnen aber sicher auch Ihr Hausarzt, das nächstgelegene Spital oder eine ähnliche Gesundheitseinrichtung für Ihre Unterstützung beim Spritzen zur Verfügung. Wenn Sie in unserer Nähe wohnen, bieten wir Ihnen auch gerne an, zu uns zu kommen.
Durch die Hormonstimulation ergibt sich das Risiko einer Überstimulation der Eierstöcke. Diese seltene Komplikation tritt nach der Punktion auf. Für die Patientin sind erste Warnsymptome, auf die Sie achten sollten: dicker, geblähter Leib, Schmerzen im Bauch, manchmal Übelkeit, Atemnot oder Hustenreiz, verminderte Harnmenge. Klinisch steht dabei die Bluteindickung im Vordergrund. Dadurch steigt die Gefahr von ?Blutgerinseln?, sog. Thrombosen oder Embolien. Die Behandlung besteht in blutverdünnenden Maßnahmen. Die Therapie sollte bei ausgeprägten Fällen immer stationär (in einem Krankenhaus) erfolgen, da dieses Krankheitsbild potentiell für die Patientin sehr gefährlich sein kann. Wenn die Patientin schwanger ist, können diese Symptome bis zur 10. Schwangerschaftswoche bestehen bleiben. Danach verschwinden sie meist von alleine ohne bleibende Schäden Durch die Größe der Eierstöcke kann es auch zu einer Drehung der Eierstöcke um die eigene Achse kommen. Diese ist sehr schmerzhaft und birgt die Gefahr der Minderversorgung des betroffenen Eierstocks mit Blut ? in einem derartigen Fall muss meist eine operative Intervention mittels Bauchspiegelung erfolgen, die ebenfalls einen kurzen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen kann.
- Manchmal ist ein Eierstock auch so gelegen, dass er nicht punktierbar ist.
Dies ist auch der Fall, wenn ein Eierstock zu beweglich ist und vor der Nadel in die Bauchhöhle ausweicht.
- Die Punktion der Eibläschen wird auf Wunsch in Narkose durch die Scheide durchgeführt. Auch die Narkose kann zu Komplikationen führen
( z.B. Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen in seltenen Fällen sogar Atemstillstand).
- Verletzungen von Blutgefäßen, Darmschlingen oder dem Harnleiter: Bei der Punktion sticht man mit einer dünnen Nadel durch die Scheidenwand in die Eierstöcke. Hierbei können Nachbarorgane verletzt werden. Ein glatter Durchstich des Darmes oder auch der Harnblase ist relativ ungefährlich. Problematisch sind jedoch Verletzungen der Beckenwandgefäße oder des Harnleiters, wobei es zu stärkeren inneren Blutungen oder Austreten von Harn in den Bauchraum kommen kann, was eine operative Versorgung im Krankenhaus nach sich ziehen kann und - in extrem seltenen Fällen - zu bedeutenden Blutverlusten oder Entzündungsreaktionen führen kann.
- Gelegentlich ist die Befruchtungsrate deutlich geringer. In der Zellkultur werden von den gefundenen Eizellen ca. 60 - 70% befruchtet. Diese Zahl hängt einerseits ab vom Reifezustand der Eizellen, andererseits spielt hier die Samenqualität eine entscheidende Rolle.
- Während der Aufbereitung der Eizellen und der Inkubation der Embryonen im Labor kann es durch technische Ausfälle zu einem Missglücken der Kultur kommen. Alle möglichen Maßnahmen, die dies verhindern sollen haben wir getroffen.
- In seltenen Fällen kann der Embryotransfer durch den Gebärmutterhalskanal in den Gebärmutterkörper schwierig und auch schmerzhaft sein. Selten kommt es nach dem Einsetzen zu Entzündungen in der Gebärmutter. Sehr selten misslingt der Embryotransfer völlig.
- Das größte (bisher ungelöste) Problem bei der IVF stellt nach wie vor der Embryoverlust nach dem Transfer durch Nicht-Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut dar. Da die Ursachen hierfür weitgehend unbekannt sind, kann weder von unserer noch von Ihrer Seite her nichts dagegen unternommen werden. Es wird versucht, die so genannte "Gelbkörperphase" (die Zeit nach dem Transfer) möglichst gut durch hormonelle Unterstützung zu gestalten, um optimale Einnistungsbedingungen zu schaffen.
- Durch eine IVF ist die Chance oder das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht. Etwa 25 % aller eingetretenen Schwangerschaften sind Zwillingsschwangerschaften. Drillinge oder Vierlinge sind dagegen eher selten, können aber auch entstehen, wenn weniger Embryonen eingesetzt werden (es ist z.B. auch eine Drillingsschwangerschaft bei Transfer von nur 2 Embryonen prinzipiell möglich).
Mehrlingsschwangerschaften sind entgegen des Wunsches vieler Kinderwunschpaare NICHT das Ziel unserer reproduktionsmedizinischen Maßnahmen, da bei derartigen Schwangerschaften doch ein höheres Risiko für Komplikationen (Frühgeburt, Behinderung eines Kindes, ...) besteht. Vor allem bei höhergradigen Mehrlingen (Drillinge und Vierlinge) bestehen doch deutliche Risiken!
- Ein weiteres Risiko besteht in der Verschleppung von Keimen in den Bauchraum mit nachfolgender Infektion. Auch diese Komplikation ist selten und lässt sich meist durch Antibiotika gut behandeln ? nur in seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich (?Bauchfellentzündung? oder Abszess im Bauchraum).
- Auch bei der IVF können Eileiterschwangerschaften auftreten, obwohl die Embryonen eigentlich in die Gebärmutterhöhle transferiert werden.
- Bei eingetretener Schwangerschaft durch IVF oder ICSI ist das Risiko eine Fehlgeburt zu bekommen leider fast doppelt so hoch wie wenn die Schwangerschaft auf normalem Weg entstanden ist.
- Psychische Probleme können vor, während oder nach der Behandlung auftreten
- Krebsrisiko: Die ovarielle Stimulation stand immer wieder im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Es wurde daher eine retrospektive Studie durchgeführt um zu prüfen, ob die IVF-Behandlung zu einer Erhöhung des Krebsrisikos führte. 5026 Frauen, die sich zwischen 1981 und 1992 einer IVF-Behandlung unterzogen, wurden überprüft. Als Kontrolle diente die israelische National Cancer Registry. Bei den IVF-Patientinnen wurden insgesamt 27 Karzinome beobachtet, während 35,6 Karzinome zu erwarten gewesen wären. Im gynäkologischen Bereich wurden 11 (15,86) Mammakarzinome, 1 (1,7) Ovarial- und 1 (1,7) Gebärmutterhalskarzinom beobachtet. In Klammern die jeweils zu erwartende Anzahl. Art der Sterilität, Anzahl der IVF-Zyklen sowie deren Ergebnis hatte keinen signifikanten Einfluss auf das Karzinomrisiko. Diese große Studie zeigt demnach, dass eine IVF-Behandlung keinen Einfluss auf das Karzinomrisiko ausübt.
Literatur: Dor J, Lerner-Geva L, Rabinovici J, Chetrit A, Levran D, Lunenfeld B, Mashiach S, Modan B. (2002) Cancer incidence in a cohort of infertile women who underwent in vitro fertilization. Fertil Steril. 77:324-327.
|