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Das Ergebnis: Je höher die Urin-Konzentrationen zweier Abbauprodukte (Monobutyl-Phthalat (MBP) und Monobenzyl-Phthalat (MBzP)), desto geringer die Spermienkonzentration. Bei höheren MBP-Gehalten des Urins waren die Spermien zudem im Durchschnitt langsamer. Die verminderte Samenqualität kann mit einer niedrigeren Fruchtbarkeit verbunden sein, sagt Russ Hauser, der die Studie leitete.
Diese Studien sind ein Alarmsignal auch für Deutschland, sagt der Toxikologe Jürgen Angerer von der Universität Erlangen. Er hat neue Methoden zur Analyse der Phthalate entwickelt. Sein Forscherteam hat damit zum ersten Mal die Phthalat-Konzentrationen im Urin deutscher Studienteilnehmer analysiert und teilweise sogar höhere Werte gemessen als die Amerikaner. Frauen waren hier (wie in der Studie der CDC) noch höher mit MBP belastet als Männer. Erschreckend ist, dass Tierversuche bisher signalisierten, dass erst wesentlich höhere Dosen das Fortpflanzungssystem schädigen, so Angerer. Doch den neuen Resultaten nach reicht vielleicht schon die alltägliche Dosis Umwelthormon, um die Fortpflanzung zu bremsen. Schon lange warnen Forscher, dass die Spermienqualität in den letzten Jahrzehnten abgenommen habe wenngleich die Ergebnisse nicht immer eindeutig waren.
Auch eine Vielzahl anderer Substanzen (meist Industriechemikalien und Pestizide) steht unter Verdacht, wie Hormone zu wirken. Als Einzelsubstanzen scheinen sie im Vergleich zu körpereigenen Hormonen zwar nur schwache Effekte zu haben. Doch das Gemisch, das in Mensch und Umwelt präsent ist, könnte ein fataler Cocktail sein, wie etwa Arbeiten aus Großbritannien andeuten.
Verbotene Chemikalien, die immer noch reichlich in der Umwelt vorkommen, beeinträchtigen die Qualität von Spermien, berichten Wissenschafter im Fachjournal "Human Reproduction". Die Forscher unter der Leitung von Marcello Spanò hatten Samenzellen von 700 Männern aus unterschiedlichen geographischen Regionen untersucht. Gleichzeitig wurde durch Bluttests ermittelt, in welchem Ausmaß die Teilnehmer in ihrer Umgebung so genannten polychlorierten Biphenylen (PCBs), die unter anderem zur Erzeugung von Kunststoff-Produkten verwendet wurden, ausgesetzt waren. Dabei zeigte sich, dass genetische Schäden an den Spermien umso ausgeprägter waren, je mehr Kontakt die Männer mit den Umweltgiften hatten. Insgesamt waren im Durchschnitt rund zehn Prozent der Samenzellen derart geschädigt. Auf die Fruchtbarkeit wirkt sich dieser Anteil zunächst nicht aus, berichtet die BBC: Von einer verringerten Fertilität werde erst ab einem Anteil von 20 Prozent defekter Spermien ausgegangen. Dennoch könnten PBCs bei bestimmten Männern negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben, erläutert Spanò - nämlich dann, wenn die Samenqualität bereits aus anderen Gründen vermindert ist. Eine Ausnahme bildeten allerdings die Inuit aus Grönland, die neben Männern aus Warschau (Polen), Kharkiv (Ukraine) und einigen Fischern aus Schweden in die Studie mit einbezogen waren. Bei den Inuits wurde keine solche Verbindung zwischen PCBs und Spermienqualität festgestellt. Dies könnte darauf hinweisen, dass bestimmte genetische oder Lebensstil-Faktoren dieser Gruppe den schädigenden Effekt von PCBs auf die Spermien möglicherweise abschwächen, meint der Studienleiter.
Das will die EU nun mit neuen Untersuchungen ändern. Einige wenige Umwelthormone hat sie inzwischen bewertet. Darunter sind auch zwei Phthalate (Diethylhexyl-Phthalat (DEHP) und Dibutyl-Phthalat (DBP)). Da ihre Schädlichkeit nachgewiesen ist, dürfen sie ab Ende 2004 in Zubereitungen wie Farben und Lacken und danach auch in Kosmetika nicht mehr eingesetzt werden. Für PVC-Böden, Plastikgeschirr oder Infusionsschläuche gelten diese Verbote aus formalen Gründen indes nicht.
Außerdem startete die EU im Jahr 2002 das 20-Millionen-Projekt CREDO (Cluster of Research on Endocrine Disruption in Europe). 64 Teams aus 16 Ländern arbeiten darin zusammen. Endlich können wir länder- und fachübergreifend die Gesundheits- und Umweltprobleme durch hormonell wirksame Substanzen angehen, sagt Kortenkamp, der das Projekt koordiniert. Die Wissenschaftler haben viel zu tun: 553 Chemikalien hat die EU in ihren Verdachtskatalog aufgenommen.
Diese Seite wurde mit Zustimmung von Dr. Breitenbach (www.wunschkind.net) abgedruckt.
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